Zwillingskogel
Alpenverein Bad Griesbach-Pocking unternimmt anspruchsvolles Voralpenabenteuer.
Vom Bergsteigerdorf Grünau im Almtal aus gibt es nicht nur die steilen Wände des Toten Gebirges, sondern auch Wanderberge mit alpinem Anspruch. Genau diese Mischung aus Felsen, Wald und steilen Pfaden findet man am 1.402 m hohen Zwillingskogel. Am 1. Mai war dieser Berg das Ziel der 15 Bergwanderer vom DAV Bad Griesbach-Pocking. Und da bei der Überschreitung der Start- und Endpunkt der Tour sechs Kilometer auseinander lag, parkte man ein Auto im Hauergraben.
Gestartet wurde am Bahnhof von Grünau auf ca. 500 m Höhe. Ein kurzes Stück des Weges führte direkt an den Bahngleisen entlang bis ein Wanderschild auf den Weg 419 zum Zwillingskogel verwies. Von nun an gab es nur noch eine Richtung – steil nach oben. Der schmale, wurzelige Steig schlängelte sich in vielen Serpentinen durch den Bergwald empor. Schnell gewann die Gruppe an Höhe. Ab und zu gaben die Bäume Blicke frei auf die bewaldeten Berge zwischen Almtal und Traunsee. Gnadenlos zog sich der Steig immer weiter bergauf. Wieder lichtete sich der Wald, vermutlich hatte ein heftiger Sturm eine Schneise in den Wald geschlagen. Jetzt zeigten sich die schneebedeckten Gipfeln des Toten Gebirges. Nach den Sturmschneisen verschwanden die letzten flachen Abschnitte. Holzstufen leiten die Wanderer vorbei an ausgerissenen Wurzelstöcken. Schweißtreibend, Schritt für Schritt ging es durch den sonnendurchfluteten Bergwald. An exponierten Stellen erleichterten Seilversicherungen den Aufstieg. Endlich erreichte die Gruppe die felsigen Ausläufer des Zwillingskogels. Erstmals öffnete sich der Blick hinaus ins Alpenvorland. Nach einer kurzen Rast ging es am Bergkamm entlang in Richtung Gipfel. Der weiche Waldboden wurde vom Schrofengelände abgelöst. Jetzt war Trittsicherheit und Schwindelfreiheit angesagt. Spektakulär zeigten sich nun die mit Latschen bewachsenen Felsenzähne des Zwillingskogels. Jetzt nur nicht leichtsinnig werden, denn ausrutschen wäre hier fatal. Und plötzlich ragte das hölzerne Gipfelkreuz in den blauen Himmel. Das Gipfelziel war in greifbarer Nähe. Nur noch eine kurze Kraxelei und alle standen pünktlich zur Mittagszeit auf dem aussichtsreichen Gipfel des 1.402 m hohen Zwillingskogels.
Nun erst mal Brotzeit machen und die Energiereserven auffüllen. Belohnt werden die DAVler mit Sonnenschein, blauem Himmel und einer grandiosen Rundumsicht. Im Süden thronten die schneebedeckten Kalkriesen des Toten Gebirges. Im Westen erhob sich der markante, steil aufragende Traunstein und nach Norden schweiften die Blicke über die sanften Hügeln des Alpenvorlandes. Und klar, dann der beeindruckende Blick zurück über den felsdurchsetzten Ostrücken wo sich der schmale Pfad zum Gipfel windet. An der linken Seite fiel die Felswand senkrecht in den Hauergraben ab und auf der rechten Seite erstreckte sich das tief eingeschnittene, bewaldete Almtal. Man konnte sich gar nicht sattsehen an diesem Gipfelpanorama. Es fiel allen schwer diesen Logenplatz zu verlassen, aber irgendwann hieß es auf zum Weitermarsch.
Der nächste spannende Wegabschnitt wartet nun auf die Bergler. Der Übergang zum 250 Höhenmeter tiefer liegenden Durchgang war ein landschaftliches Highlight. Zunächst ging es ein kurzes Stück steil hinunter zum Steig der sich nach Süd-Westen zog. Wieder war Vorsicht und Konzentration geboten. Der Steig durchquerte nun alpines, teils ausgesetztes Gelände. Es ging durch Latschengassen und über mit Wurzeln durchsetztes Schrofengelände. Einige kurze Passagen führten direkt an der Abbruchkante entlang. Nochmals ein letzter Blick zurück zum Gipfelkreuz bevor es hinter einem mächtigen Felszahn verschwand. Endlich erreichte die Gruppe eine Freifläche mit jungen Lärchen. Bei einer kurzen Getränkepause hieß es erst mal durchschnaufen und die Spannung abfallen lassen. Das Blickfeld dominierte nun der markante Traunstein, der zackige Katzenstein und das Steineck. Wieder zog sich der Steig an der Abbruchkante entlang und gewährt nochmals schwindelerregende Tiefblicke in den tief unten liegenden Hauergraben. Nun flachte das Gelände ab. Der Steig wurde zum Waldpfad und führt die Gruppe zu einem Gratsattel, dem sogenannten Durchgang auf 1.158 m Höhe. Nun war es vorbei mit der Fernsicht. Im oberen Teil erleichterten Seilversicherungen den steilen Abstieg auf dem feuchten Kalkfelsen. In vielen Kehren ging es nun durch den schattigen Nordhang hinab in den Hauergraben. An der Forststraße angekommen erhob sich nun die senkrechte, unnahbare Nordwestwand vom Zwillingskogel vor den Augen der Wanderer. Bei diesem Anblick konnten es die Teilnehmer kaum glauben dort oben gewesen zu sein. Am Parkplatz angekommen holten die Autofahrer mit dem vormittags geparkten Auto die anderen Fahrzeuge von Grünau. In einem nahegelegenes Gasthaus ließ man den spannenden Wandertag ausklingen.