Steinernes Meer

Geschichte der Sektion Bad Griesbach des Deutschen Alpenvereines

Am 12. Juni 1906 gründeten 24 Griesbacher Bürger die Alpenvereinssektion Griesbach –Rotthal des deutsch-österreichischen Alpenvereins und wählten in die erste Vorstandsschaft:

Herrn Pfarrer Ernst Laucher  als Vorstand
Herrn Sekretär Ammann als Schriftführer
Herrn Sekretär Assistent Werz als Kassier

Vorangegangen war dieser Gründung eine intensive Vorbereitungszeit ab ca. 1903, während der sich 25 Bürger lose zu einer Vereinigung der Alpenfreunde zusammenschlossen. Sicher angeregt durch das bei Föhn von Griesbach aus zu sehende Bergpanorama und inspiriert vom damaligen Zeitgeist setzten sie sich intensiv mit alpinen Belangen auseinander, hielten bereits eine alpine Zeitschrift und unternahmen auch schon gemeinsame Bergtouren. Hauptsächlich „agititierten“ (wie es in der Chronik heißt)  hier die Herren Sekr. Ass. Werz, Kaufmann Heueck, Bäckermeister Eder, Privatier Eduard Schleich sen., Lehrer Kandler, und Bäcker-meister Schleich jun.

Diese Namen finden sich dann auch in der Liste der Gründungsmitglieder der Alpenvereinssektion wieder:

 

1.)        Oskar Alfermann

2.         Josef Ammann

3.)        Andreas Angermüller

4.)        Georg Bauhuber

5.)        Josef Buhmann

6.)        Thomas Dunz

7.)        Josef Eckert

8.)        Sebastian Eder

9.)        Johann Geiger

10.)      Vinzenz Kandler

11.)      Josef Koller

12.)      Wolfgang Landes

13.)      Ernst Laucher

14.)      Martin Liebhardt

15.)      Anton Lindl

16.)      Johann Penninger

17.)      Karl Reitinger

18.)      Eduard Schleich, sen.

19.)      Eduard Schleich, jun.

20.)      Rudolf Schleich

21.)      Albert Stadler

22.)      Josef Strigl

23.)      Hermann Werz

24.)      Xaver Wuchner

 

 

In der ersten Generalversammlung am 26. Juni 1906 wurde die Satzung der Sektion  beschlossen und sofort in Druck gegeben.

Zweck der Sektion ist danach: „als Glied des deutschen und österreichischen Alpenvereins die Kenntnis der Alpen Deutschlands und Österreichs zu erweitern und zu verbreiten, sowie deren Bereisung zu erleichtern“.

Dies suchte die Sektion zu erreichen durch Ausflüge ins Gebirge, gesellige Zusammenkünfte, Vorträge, Anlegen einer alpinen Bibliothek und anhängig von ihren Möglichkeiten durch das Übernehmen oder die Unterstützung von Arbeiten im Gebirge.

Wenn möglich, sollte jedes Jahr ein gemeinsamer Ausflug ins Gebirge veranstaltet werden. Von den einzeln durchgeführten Gebirgstouren sollten die Mitglieder kurze Tourenbeschreibungen liefern ( hiervon sind einige erhalten),  die dann in ein Tourenbuch der Sektion eingetragen wurden.

Der Termin für die gesellige Zusammenkunft wurde auf den 1. Dienstag im Monat gelegt. Der Jahresbeitrag betrug 10,00 Mark.

 

Es begann eine rege Vereinstätigkeit.

Im Sommer machte man Ausflüge in die nähere Umgebung, nach Uttlau, St. Salvator und zum Schönplatztl im Neuburger Wald und veranstaltete ein Waldfest.

Selbstverständlich wurden von einem Teil der Mitglieder auch Bergtouren unternommen. Von diesen haben wir Kenntnis, weil viele der Ausflügler den Daheimgebliebenen Ansichtskarten schickten. So besitzt die Sektion einen Schatz von ca.280 Ansichtskarten aus der Zeit von 1903 bis 1940 (leider in deutscher Schrift, manchmal zittrig von den Anstrengungen, mit Bleistift, schon leicht verwischt und ohne Datum, geschrieben).

Es ist unmöglich, auf die Fülle von Touren einzugehen. Besonders hervorgehoben werden soll aber, dass von Herrn Cooperator Wimmer bereits 1907 die Zugspitze und 1908 von ihm und Herrn Stadler der Großglockner bestiegen wurde. Und auch das „ schwache Geschlecht“ beteiligte sich an Touren. Eduard Schleich sen. durchquerte mit seiner Ehefrau Maria 1907 das „Steinerne Meer“; 1909 wollten die beiden mit Karl Reitinger den Ankogel besteigen, mussten aber wegen des schlechten Wetters umkehren. Auch später sind immer wieder weibliche Unterschriften auf den Tourenbeschreibungen und Ansichtskarten zu finden.

 

1906 wurde ein Bibliotheksschrank in Auftrag gegeben, und jährlich ein gewisser Betrag für den Ankauf von Führern, Karten und alpinen Büchern zur Verfügung gestellt. Für Schrank und Inhalt schloss man eine Feuerversicherung ab, die bis 1946 lief.

Es gab Zuschüsse für den Unterhalt einer Rodelbahn am Churfürst und für die Anlage eines Wanderweges um den Ostermünchner Weiher.

Jährlich 2 Mark als Zuschuss gab die Sektion außerdem zur „Prinzregentenfeier“, bis der Prinzregent 1912 starb. Danach gab es einen einmaligen Zuschuss von 4 Mark zur „Königsfeier“, gemeint war die Krönungsfeier von Ludwig III.

 

1907 wagte man das erste Faschingsfest für die Mitglieder und deren Familien und Freunde. Dieses Faschingsfest war ein so großer Erfolg, dass nun alljährlich ein Kostümball unter einem bestimmten Motto, oft in Zusammenarbeit mit der Liedertafel organisiert wurde.

 Gemeinsame Faschingszeitung von Liedertafel und Alpenverein aus dem Jahre 1909

 

 Gemeinsame Faschingszeitung von Liedertafel und Alpenverein aus dem Jahre 1909

 

Lustig wars im Fasching anno dazumal

Lustig wars im Fasching anno dazumal


Mit den benachbarten Sektionen Passau und Schärding hielt man engen Kontakt bei gemeinsamen Treffen und Unternehmungen. Unvergessen und oft erwähnt ist das erste Verbrüderungstreffen in Höhenstadt mit 200 Personen. Die Griesbacher nahmen mit über 46 Personen teil; die Anfahrt erfolgte mit Leiterwagen. Gerühmt wurde seinerzeit in einem Artikel in den „Passauer Stadtnachrichten“ die schönen Klänge der Griesbacher Musikkapelle, der donnernde Chorgesang und die trefflich gesungenen Quartette, die bald üppige Fröhlichkeit in die Versammlung brachten.

 

Da die Sektion weder finanziell noch personell die Mittel hatte, einen eigenen Beitrag zur Erschließung des Alpenraumes zu leisten, beschlossen die Mitglieder, die Sektion Passau mit jährlich 50,00 M bei ihren Arbeiten zur Erschließung des Gebietes in den Loferer Steinbergen zu unterstützen. Bis 1914 wurden insgesamt 350,00 M bezahlt. Zum Dank und als Anerkennung dafür hat die Sektion Passau einem neu geschaffenen Aufstiegsweg zur Schmidt-Zabierow-Hütte vom „Strubb-Tal“ über die „Jageralm“ die Bezeichnung  „Griesbacher Steig“ gegeben. Auch heute leistet die Sektion noch einen Beitrag zum Unterhalt des Weges.

 

Für die Vorträge schaffte die Sektion bereits 1909 ein Projektionsapparat ( mit Petroleumbeleuchtung; erst 1912 wurde auf Glühbirnen umgestellt ) für 119,85 M an. Der Flottenverein von Griesbach steuerte 25,00 M zum Kauf des Gerätes bei und durfte dieses dafür, streng vertraglich geregelt, ausleihen.

 

Regelmäßig nahmen Mitglieder an der Hauptversammlung des Hauptvereins statt. 1906 war es eine Delegation von 6 Personen, die nach Innsbruck zur Tagung fuhren. Am 07.09.1909 brachen die Herren Eder, Koller, Ranzinger, Wagner, Wimmer, Rieder und Schmidbauer, vielbeneidet von den anderen, zur Hauptversammlung nach Wien auf.

 

Bis 1914 zählte die Sektion 54 Mitglieder. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges bedeutete einen herben Einschnitt für das Vereinsleben. „Mancher Platz, den sonst ein liebes Mitglied eingenommen hat“ blieb leer, wie die Chronik berichtet.

Die Mitgliederzahl sank auf 36. Die Einträge in der Chronik enden 1915 mit dem Wunsch, dass 1916 das Friedensjahr werden möge.

Vorstand in dieser schweren Zeit war Oberamtsrichter Sommer (1909 – 1919).

 

Nach Kriegsende wird das rege Sektionsleben der ersten Jahre, nun unter den Vorständen Bezirksarzt Dr. Langenmantel (1919 - 1925) und Notariatsassessor Fritz Werthmüller (1925 – 1933) wieder aufgenommen und zusätzlich um die Aufführung von Theaterstücken bereichert. 1922 zählt man 72 Mitglieder, davon 23 „Auswärtige“ (meist Beamte, die trotz Versetzung ihrer Sektion treu blieben ). Der Chronist verzeichnet, dass manch Vortragsabend wegen zu geringer Beteiligung ausfiel und stattdessen ein „ordentlicher Schaffskopf“ gespielt wurde. Im Inflationsjahr 1923 ( Jahresbeitrag 250 Mark; Vereinsvermögen am Jahresende 1.000.000.000,00 Mark ) wurden wegen des hohen Bierpreises ab dem Sommer keine Monatsversammlungen mehr abgehalten und sogar die Generalversammlung vom Dezember auf den Januar des nächsten Jahres verschoben.  Ab 1925 gibt es keine Einträge mehr in der Chronik, nur das Kassenbuch geht weiter. Der Beitrag stieg von 1924 von 3,00 Mark, bis 1928 kontinuierlich auf 7,00 Mark; die Mitgliederzahl sank stetig und bewegte sich lange Zeit um die 38 - 40.

 

1934 - 1945 war Dr. med. Anton Reiter Vorstand der Sektion. Dies war eine schwierige Zeit, da auch der Alpenverein wie alle Vereine „gleichgeschaltet“ wurde und nicht mehr eigenständig schalten und walten konnte. Bis 1939 fanden  Faschingsveranstaltungen, Bergfahrten und Vorträge statt. Während des 2. Weltkrieges sind im Kassenbuch einige Ausgaben für Lichtbildervorträge , sowie 2 Spenden für das Winterhilfswerk verzeichnet. An Hand der an den Hauptverein überwiesenen Beiträge lässt sich errechnen, dass die Sektion 1945 wohl noch 20 Mitglieder hatte.

 

Satzung von 1939

Satzung von 1939 


Nach vier Jahren Stillstand – es waren alle Vereine von der Militärregierung verboten worden – wurde die Alpenvereinssektion Griesbach im Rottal am 28. April 1949 unter dem Vorstand Otto Meier (1949 – 1961) neu gegründet und ins Vereinsregister, nun als Mitglied des Deutschen Alpenvereins e. V.  eingetragen.

 

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 Satzung v. 28.4.1949

 

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Schreiben des Alpenvereins v. 8.4.1949

 

Für das Sektionsleben wurden die jahrelang bewährten Abläufe wieder aufgenommen, erweitert um Skibergsteigen, Langlaufen, später auch Radlausflüge.

Die Faschingsbälle der Sektion zählten zu den Höhepunkten des Griesbacher Faschings und begeistert fährt man nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren mit dem Omnibus ins Gebirge.

Alfons Pacher ( heute noch ein rüstiger Bergsteiger ) gründete eine Jungmannschaft, mit eigener Satzung und eigenem Haushalt.

Anfangs fuhr man mit dem Motorrad und Omnibus ins Gebirge, später in Fahrgemeinschaften mit dem eigenen PKW. Im Jahr 1955 hat die Sektion 129 Mitglieder ( Beitrag 10,00 DM ), davon 42 Jungmannen ( Beitrag 2,50 DM ).

 

1961 - 1976 führte Oberamtsrichter Dr. Ernst Rüth  die Sektion mit viel Einsatz und Fürsorge. Die Mitgliederzahl stieg auf 257 an.

Ihm folgten nach Bankdirektor Franz Ecker (1976 – 1988), Amtsrat im Notariat Robert Preißer (1988 – 1994), Finanzamtsleiter Joachim Selbach (1994 – 2000) und Dipl. Ing. Siegfried Kulitza  (2000 – 2010).

 

Aus der jüngeren Vergangenheit seien nur noch einige Ereignisse und Zahlen erwähnt. Im April 1977 wurde die zur Sektion gehörige Ortsgruppe Pocking gegründet.

1982 stellte die Sektion  auf dem Karlkogel in den Berchtesgadener Alpen bei einer feierlichen Bergmesse ein Gipfelkreuz auf. 1982 bildete auch in punkto Mitgliederzahl einen Höhepunkt für die Sektion; sie zählte gesamt 719 Mitglieder.

Heute haben die Sektion und die Ortsgruppe Pocking  576 Mitglieder. Seit 21.12.2010 heißt sie „Sektion Bad Griesbach i. Rottal des Deutschen Alpenvereins (DAV) e.V.“

Vorstand ist seit 2010 Architekt Manfred Graw aus Bad Füssing.

 

Die Sektion blickt mit Stolz auf ihre mehr als hundertjährige Geschichte zurück. Sie ist sich der Verantwortung bewusst, die sich aus daraus für die Zukunft ergibt. Ihr vorrangiges Ziel ist, den Sektionsmitgliedern und insbesondere jungen Menschen und Familien die Schönheit der Bergwelt und den Wert einer intakten Natur zu vermitteln. Die Verantwortlichen der Sektion wollen diesem Anspruch durch ein abwechslungsreiches Jahresprogramm genügen, das alle Altersgruppen und Interessen anspricht.